Drop Drive

Von Beat Wieland, 15. November 2023.

Drop Drive

Zu Drop Drive gibt es alles. Deluxe-Komponenten-Upgrade. Neopren-Playmat. Zusatz-Dies und Addon-Das. Für einen kleinen Aufpreis gäbe es ein kleines bisschen mehr und für einen grösseren ein grösseres bisschen. «Und ab zwei Sachen gibt's noch ein einmaliges Extra dazu.»

Ich habe dann trotzdem nur das Basisspiel gekauft.

Aber was für ein Spass! Drop Drive schafft es tatsächlich irgendwie, Weltraum-Stimmung zu erschaffen: Der Tisch verwandelt sich in die unendlichen Weiten des Weltraums (mit einer Bande aus dünnem Karton drum herum).

Darin bewegen sich die Raumschiffe, fliegen von Asteroiden zu Planeten, verkaufen wertvolles Erz und lassen gesammelten Weltraumschrott identifizieren. Bekämpfen Piraten und entdecken seltene Anomalien. Auch Aliens kommen an Bord und wollen per Anhalter quer durch die Galaxis zu einem bestimmten Planeten reisen.

Alles da!

Schon der Spielaufbau ist toll, es beginnt mit dem Urknall: Es wird einfach alles – Planeten, Asteroiden, Weltraumschrott … – reinfallengelassen. Doch, doch, das ist ein Verb. Korrekterweise müsste ich «über der sich im Zentrum befindenden, die Sonne darstellenden, Holzhalbkugel (die keine ganze Halbkugel ist, sondern nur ein Teil, so ein Anschnitt) fallen gelassen» schreiben. Da ich es gerne kurz und bündig habe und diesen Text nicht unnötig aufblasen will, habe ich stattdessen einfach reinfallengelassen geschrieben – ich hoffe, das geht in Ordnung. Auch während des Spiels kommt immer wieder neues Material auf die gleiche Weise dazu.

Direkt nach dem Urknall geht's los, und ich starte mit meinem Raumschiff von meinem Heimatplaneten aus. Ein Raumschiff besteht aus zwei Karten, die zu Beginn zufällig gezogen werden. Dadurch spielen alle immer mit unterschiedlichen Raumschiffen. Manchmal ist viel Laderaum vorhanden, ein anderes Mal ist es ein besonders schnelles oder extrem kampfstarkes Modell.

Zweikartenraumschiff

Dieses Zweikartenraumschiff liegt ausserhalb des Weltraums auf dem Tisch. Im Weltraum drin sind die Raumschiffe kleine Holzdinger mit Aufdruck. Immer wenn ich am Zug bin, darf mein Holzraumschiffchen fliegen – und zwar so weit, wie auf meinen Karten angegeben ist. Wenn ich 6 fliegen darf (Einheit unbekannt, das ist einfach mein «rocket drive rating»), stecke ich sechs Plastikdinger (das sind «nav tool links») zusammen, mit denen ich dann meine Flugroute ausmesse. Pro Rocket-Drive-Rating-Punkt (also Nav-Tool-Link-Teil) fliegt ein Raumschiff etwa 2.5 cm.

Aber zum Glück haben die Raumschiffe auch ein DROP DRIVE! In jedem Zug, bevor per Nav-Tool navigiert wird, kann das Drop-Drive aktiviert werden – sofern ein Treibstoffkanister an Bord ist. Das Drop-Drive bewirkt, dass ich mein Raumschiff nehmen (ich greife also aus meinem Wohnzimmer heraus in den Weltraum hinein) und an anderer Stelle wieder fallen lassen darf. Ich kann zwar ungefähr wählen wo ich hinwill, aber das Raumschiff purzelt dann noch ein wenig rum und exakt voraussagen, wo es landet, lässt sich das somit eben doch nicht.

Nav Tool

Und so drop-drive und nav-tool-navigiere ich durch den Raum und versuche reich zu werden. Denn nachdem eine bestimme Anzahl Mal ein Planet angeflogen und etwas verkauft wurde, endet das Spiel. Jetzt werden nur noch die gefunden «Proben fremder Spezies» (ja, das gibt's auch noch) in Credits umgewandelt – und wer dann am meisten beisammen hat, gewinnt. Das Ende über die Planetenlandungen zu steuern gefällt mir und macht das Ganze zu einem Rennen. Credits als Siegbedingung finde ich hingegen etwas uninspiriert, passt aber wohl in viele Science-Fiction-Settings ausser Star Trek.

Ob das Spiel einigermassen ausgeglichen ist? Keine Ahnung. Stört mich aber bisher nicht. Das Spielen an sich macht Spass. Es ist zwar definitiv Brettspielen, teilweise schimmert aber ein bisschen freies Spiel durch, so wie früher, als die grünen Legofigürchen die Ritter auf Burg 6080 ausraubten.

Bis zu vier Personen können dabei sein. Selbstverständlich kann das mit dem «5th Captain Pack» auf fünf erhöht werden.

In Drop Drive ist vieles etwas ungenau. Beim Ausmessen verrutscht ein Planet oder ein darauf gelandetes Raumschiff fällt runter. An was die Piraten gerade am nächsten dran sind, ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Fällt neuer Schrott auf die Sonne, verschieben sich möglicherweise Asteroiden. Kein Spielbrett mit eingezeichneten Feldern, alles liegt einfach irgendwo. Aber irgendwie passt das thematisch: Etwas unaufgeräumt stell ich mir auch den Weltraum vor. Noch cooler wär's natürlich, wenn alles schweben würde, so im Raum, 3D, und nicht flach auf dem Tisch. Vielleicht wär das bei einem dieser vielen Upgrades dabei gewesen?

Mir macht das Spiel richtig Spass. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich noch nichts Vergleichbares habe. Drop Drive kommt nicht so todernst rüber – und ist für mich, vielleicht gerade deswegen, massiv thematischer als viele andere Spiele, die krampfhaft versuchen, thematisch zu sein. Aber wieso auch immer, Drop Drive darf auf jeden Fall bleiben. Direkt neben Galaxy Trucker.

Und nächstes Jahr in Essen kauf ich dann noch die Spielmatte dazu.

DB
Drop Drive. Von Scott R. Smith. Phase Shift Games, 2023. Für 2 bis 4 Personen, 45 Minuten, ab 10 Jahren. Zurzeit nur auf Englisch, mit Text auf diversen Karten. Eintrag bei BoardGameGeek. Englische Spielanleitung als PDF.
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